Für mehr Digitale Barrierefreiheit an der Uni Bonn
Koordiniert durch das Digital Science Center (DiCe) leitet die Stabsstelle Chancengerechtigkeit und Diversität seit 2024 das Projekt „Quick Wins für Digitale Barrierefreiheit“. In dem Projekt werden Erkenntnisse aus der Teilnahme am DH.NRW-Projekt "Kompetenzzentrum Digitale Barrierefreiheit" auf die Strukturen der Universität Bonn übertragen. Neben dem Monitoring digitaler Barrieren wurden kurzfristig und ressourcensparend umsetzbare Ziele, sogenannte Quick-Wins, definiert. Diese werden sukzessive im Projekt umgesetzt und zahlen langfristig auf eine verbesserte digitale Barrierefreiheit der Uni Bonn ein. Ein Konzept für ein langfristiges Monitoring digitaler Barrierefreiheit an der Uni Bonn soll entwickelt werden.
Was bedeutet Digitale Barrierefreiheit?
Digitale Barrierefreiheit meint, dass Anwendungen der Informationstechnik so gestaltet sind, dass sie von allen Menschen mit und ohne Behinderungen genutzt werden können. Die Anforderungen an die Barrierefreiheit werden gesetzlich (durch die Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung (BITV), das Behinderdengleichstellungsgesetz (BGG) und das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG), sowie durch Richtlinien wie der Europäischen Norm (EN) 301 549 und den Web Content Accessibility Guidelines (WCAG) festgelegt.
Demnach müssen digitale Anwendungen für eine ausreichende Barrierefreiheit nach folgenden Prinzipien gestaltet sein:
Wahrnehmbar
Inhalte werden so dargestellt, dass sie von unterschiedlichen Gruppen von Nutzenden wahrgenommen werden können. Für rein visuelle oder auditive Inhalte werden Alternativen angeboten, die den Inhalt über einen jeweils anderen Sinn zugänglich machen.
Bedienbar
Digitale Anwendungen müssen so gestaltet sein, dass alle Inhalte und Funktionalitäten von unterschiedlichen Gruppen von Nutzenden auf verschiedene Weise angesteurt und bedient werden können (bspw. Maus- und Tastatursteuerung).
Verständlich
Alle Inhalte von IT-Anwendungen müssen leicht verständlich sein. Es soll für alle Nutzenden leicht erkennbar sein, wie die Anwendung zu nutzen ist.
Robust
Alle Elemente und Inhalte der Webseite müssen so gestaltet sein, dass sie mithilfe von assistiven Technologien an die Bedarfe der Nutzenden anpassbar sind.
Worum geht es im Projekt "Quick Wins für Digitale Barrierefreiheit"?
Im Projekt „Quick Wins für Digitale Barrierefreiheit“ werden Maßnahmen und Strategien für mehr digitale Barrierefreiheit in IT-Anwendungen der Universität Bonn entwickelt. Neben dem Monitoring digitaler Barrieren (automatisierte Testsoftware, Selbsttest) wurden kurzfristig und ressourcensparend umsetzbare Ziele, sogenannte Quick-Wins, definiert. Diese wurden sukzessive während der einjährigen Projektlaufzeit (2025-2026) erfolgreich umgesetzt und zahlen langfristig auf eine verbesserte digitale Barrierefreiheit der Uni Bonn ein.
Beiteiligte Stellen
Beteiligt sind neben der Stabsstelle Chancengerechtigkeit und Diversität (Projektleitung) und dem Digital Science Center (Projektkoordination):
- das Hochschulrechenzentrum (HRZ)
- das Bonner Zentrum für Hochscbullehre (BZH)
- das Dezernat 2 – Datenverarbeitung
- das Dezernat 8 – Hochschulkommunikation
Als Lenkungsgruppe fungiert das DiCe-Gremium Services & Infrastruktur.
Fachlich beraten wurde das Projekt durch Prof. Dr. Adrian Hermann.
Vier definierte Quick Wins
Folgende Quick Wins wurden definiert und werden sukzessive umgesetzt.
01.
Feedbackmechanismus
Es wurde ein Feedbackmechanismus konzipiert und implementiert, der es Nutzenden ermöglicht, digitale Barrieren zu melden. Über den Button "Barrierefreiheit" im Footer (neben Datenschutz und Impressum) ist diese Funktion seit dem 15.10.25 von allen Webseiten der Uni erreichbar. Nutzende können dort über ein Kontaktformular digitale Barrieren anonym oder unter Angabe von Kontaktdaten melden und bei Bedarf Informationen oder Inhalte in barrierefreier Form anfragen.
Die Anfragen gehen über ein Ticketsystem ein und werden von der Stabsstelle Chancengerechtigkeit und Diversität bearbeitet oder an die jeweils für die entsprechende Seite zuständige Stelle weitergeleitet.
Ziele & Nutzen
- Gezieltere Behebung bestehender digitaler Barrieren durch Feedback von Nutzenden
- Nachhaltiges Monitoring und Ableiten von Maßnahmen für die Zukunft
02.
Checkliste und Leitfaden für Redakteur*innen
Ein erster Schritt in Richtung digitaler Barrierefreiheit besteht darin, Redakteur*innen von IT-Anwendungen so zu sensibilisieren, dass sie neue Inhalte möglichst barrierefrei erstellen. Im Projekt wurden auf Basis der Web Content Accessibility Guidelines (WCAG-Richtlinien) und bereits bestehender Leitfäden zentrale Kriterien herausgearbeitet, die bei der redaktionellen Arbeit (bspw. mit Plone CMS) auf den Seiten der Universität Bonn zu berücksichtigen sind.
Aus den ermittelten Kriterien wurden eine knappe und pragmatische Checkliste sowie ein ausführlicher Leitfaden mit Erläuterungen und Beispielen zu jedem Kriterium erstellt. Die beiden Dokumente sollen Redakteur*innen helfen, IT-Anwendungen und Dokumente zukünftig inhaltlich barrierefrei zu gestalten. Die Dokumente sind auch für die Gestaltung barrierefreier Lehre von hoher Relevanz.
Ziele & Nutzen
- Nachhaltige Verbesserung der Barrierefreiheit durch Vermeidung redaktioneller Barrieren
- Sensibilisierung der Redakteur*innen für das Thema
- Nebeneffekt: Verbesserung der Webseiten-Qualität
03.
(Muster-)Erklärung zur Barrierefreiheit
Eine Erklärung zur Barrierefreiheit ist gesetzlich vorgeschrieben und gehört zu den Pflichtangaben jeder Website. Sie macht den aktuellen Stand der Barrierefreiheit transparent und kommuniziert noch bestehende Barrieren sowie Maßnahmen zur Problemlösung. Unter dem Button "Barrierefreiheit" im Footer ist daher auch eine Erklärung zur Barrierefreiheit zu finden. Im Rahmen des Projektes wurde die vorhandene (automatisch von Plone gernerierte) Erklärung zur Barrierefreiheit aktualisiert.
Hierzu wurden mit der automatisierten Testsoftware Siteimprove und mittels Selbsttest rund 12.500 Seiten des über 500.000 Seiten umfassenden Webauftritts stichprobenartig getestet. Die gefundenen Barrieren wurden transparent gelistet und werden, soweit möglich, sukzessive abgebaut. Technisch bedingte Barrieren, die im CMS Plone begründet liegen, können vorerst nicht redaktionell beseitigt werden.
Ziele & Nutzen
- Transparente Kommunikation des aktuellen Stands bzgl. Barrierefreiheit
- Durchführung manueller und automatisierter Testverfahren auf rund 12.500 Seiten der Uni Bonn
- Erarbeiten einer (Muster)-Erklärung zur Barrierefreiheit
04.
Templates und Klickanleitungen
Der vierte Quick Win beinhaltete Überlegen, wie Barrieren, die durch nicht-barrierefreie PDF-Dateien entstehen, vermieden werden können. Mittels der Nutzung bereits bestehender Leitfäden sollten Vorlagen, Templates und Klickanleitungen erstellt werden für eine möglichst barrierefreie Gestaltung von Dokumenten. Bestehende Vorlagen, beispielsweise für Powerpoint-Präsentationen sollen in Bezug auf Barrierefreiheit geprüft und überarbeitet werden.
Ziele & Nutzen
- Verbesserung der Barrierefreiheit von veröffentlichten Dokumenten
- Einfachere Umsetzung barrierearmer Materialien
Dieser Quick Win wird in ein Folgeprojekt "Advanced Wins für digitale Barrierefreiheit" überführt.
Kontakt
Julia Lindenberg (sie/ihr)
Dechenstraße 3-11
53115 Bonn
Yasha Müller (er/ihm)
Dechenstraße 3-11
53115 Bonn